Sulforaphan Wirkungen und Einsatzgebiete

Aktualisierung 06/2018: Hinweise aufgenommen zur Forschungslage bei Sulforaphan gegen Haarausfall.

Aktualisierung 05/2018: Informationen zu Sulforaphan bei Übergewicht hinzugefügt.

Aktualisierung 02/2018: Studie zur Alzheimer-Erkrankung und Sulforaphan ergänzt.

Aktualisierung 07/2017: Studie zum Thema Sulforaphan und Typ-2-Diabetes ergänzt.


Die positiven Auswirkungen von Sulforaphan auf die menschliche Gesundheit sind äußerst vielfältig und die Forschungslade verbessert sich zunehmend. Ich habe hier einiges an Artikeln und Studien über Sulforaphan für Sie zusammengetragen. Wichtig: Ich habe hier nur Informationen zusammengetragen, die ich für interessant halte und gebe Erkenntnisse und evt. Forschungsergebnisse in eigenen, möglichst einfachen Worten wieder. Ich bin weder Arzt noch Mediziner und kann keinerlei medizinische Beratung anbieten. Bei konkreten Beschwerden oder Leiden und zur Beurteilung Ihrer Situation, ziehen Sie bitte immer einen Arzt zu Rate.

Sulforaphan wird enzymisch aus Glucoraphanin hergestellt, einem Inhaltsstoff von Kreuzblütengewächsen wie Brokkoli, Blumenkohl, Kresse, Rettich, Radieschen und Rucola (hier mehr zum Vorkommen von Sulforaphan).

Sulforaphan Forschungen zu Wirkung und Einsatzgebieten

Übersicht zu den Gebieten, in denen Sulforaphan eingesetzt wird und/oder Gegenstand von laufenden oder abgeschlossenen Forschungsarbeiten ist:

Brokkoli Knollen

Sulforaphan bei Asthma und Heuschnupfen

An der University of California fanden die Forscher heraus, „dass Brokkoli die antioxidante Reaktion beim Menschen biologisch fördert“, so Studienleiter Marc Riedl. Bei den Testpersonen bildeten sich nach dem Verzehr von Brokkoli bis zu dreimal mehr antioxidierende Enzyme in der Nase. Sulforaphan kann gegen Asthma und Heuschnupfen helfen, indem es die Bildung von Enzymen unterstützt, die die Atemwege vor Entzündungen schützen. Deshalb könne es als natürlicher Entzündungshemmer sowie bei der Behandlung von Atemwegsproblemen genutzt werden – beispielsweise zum Schutz vor allergischen Entzündungen der Nasenschleimhaut, Asthma oder vor der chronischen obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) – der sogenannten Raucherlunge. (Artikel im Web: Asthma: Brokkoli schützt; englisch: Oral Sulforaphane increases Phase II antioxidant enzymes in the human upper airway)

Alzheimer

Rund 1 Millionen Menschen sind in Deutschland von der Alzheimer Krankheit betroffen. Die Zahl der Demenzkranken wird sich bis zum Jahre 2050 auf bis zu 3 Millionen erhöhen, sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt (Quelle, deutsche-alzheimer.de). Eine Studie untersuchte in die Wirkung von Sulforaphanen auf bestimmte Rezeptoren im Zusammenhang mit einem Schutz vor der Alzheimer Erkrankung. (Studie: Beneficial Effects of Sulforaphane Treatment in Alzheimer’s Disease …)

Arthrose

Eine Laborstudie Britischer Wissenschaftler der University of East Anglia in Norwich über den Zusammenhang von Sulforaphan und Arthrose zeigte, das Sulforaphan die Enzyme blockiert, die für die Zerstörung der Gelenke verantwortlich gemacht werden. Dabei wird die Zerstörung von Knorpel in den Gelenken verlangsamt, während gleichzeitig die Entstehung von Entzündungen gehemmt wird. (Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung „Brokkoli essen gegen Arthrose“; englisch: Eating broccoli could guard against arthritis)

Autismus

Laut einer Theorie basieren autistische Störungen auf einer mangelnden Versorgung mit Energie sowie auf einem starken oxidativen Stress. Wissenschaftler der University of Massachusetts und weiterer Universitäten untersuchten, ob die starke antioxidative Wirkung von Sulforaphan auch bei Autismus zum Tragen kommt. Sie verabreichten 44 autistischen Männern zwischen 13 und 27 Jahren Sulforaphan in hoher Konzentration. Nach Ablauf des Studienzeitraums zeigte sich bei ihnen eine deutliche Verbesserung im Vergleich zur Placebo-Gruppe. (Artikel im Web: Heilung für Autismus in Sicht? Forscher setzen auf Brokkoli, Studie: Sulforaphane treatment of autism spectrum disorder (ASD))

Darmschutz und Morbus Crohn

Eine Studie an Zellkulturen der Uni Frankfurt am Mai deutet darauf hin, dass Sulforaphan den Darm schützt, indem es chronischen Entzündungen der Darmschleimhaut entgegenwirkt. Es zeigte sich, dass Sulforaphan die Darmzellen zur Bildung des Polypeptids HBD-2 anregt. Dieses ist in den Wänden des gesamten Magen-Darm-Trakts angesiedelt und hat antimikrobielle Eigenschaften. Wird HBD-2 vermindert gebildet, zeigt sich ein Zusammenhang mit der Darmentzündung Morbus Crohn. Weitere Versuche ergaben, dass Sulforaphan viele antientzündliche Prozesse im Darm positiv beeinflusst. (Artikel in der Pharmazeutischen Zeitung: Darmschutz mit Brokkoli, Studie: The dietary histone deacetylase inhibitor sulforaphane induces human ß-defensin-2 in intestinal epithelial cells)

Diabetes 2

Herausgefunden wurde, dass Sulforaphan die Bildung von Glukose in der Leber auf andere Weise als das Antidiabetikum Metformin hemmt und deshalb in Kombination mit diesem in der Behandlung von Diabetes Typ 2 eingesetzt werden könnte. Brokkoli-Sprossen-Exktrakt hat in einer klinischen Studie im Science Translational Medicine (2017; 9: eaah4477) den Blutzucker bei (v.A.) übergewichtigen Typ 2-Diabetikern gesenkt, bei denen Metformin allein den Blutzucker nicht normalisieren konnte. (Artikel: Typ-2-Diabetes: Brokkoli-Effekt in Studie untersucht)

Sulforaphan gegen Übergewicht

Abnehmen durch Sulforaphan? Die Wirkung auf den Glukosestoffwechsel in der Leber würde bereits im Zusammenhang mit einem möglichen Einsatz im Behandlungskonzept bei Diabetes Typ 2 erforscht. Ein hilfreiches Potential für die Verbesserung von Übergewicht ist damit naheliegend. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse einer Studie von Auswirkungen auf Adipositas (Fettleibigkeit) und Insulinresistenz u.a. durch Veränderung des Fettgewebes bei Mäusen (Quelle: Sulforaphane, a phytochemical in broccoli sprouts, ameliorates obesity). Weitere Untersuchungen sind ausstehend (u.a. Potential effects of sulforaphane to fight obesity).

Immunsystem

An der University of California wurde eine Studie durchgeführt, in deren Ergebnis sich Sulforaphan möglicherweise als wirksam bei der Bekämpfung freier Radikale erwiesen hat. Es aktiviert antioxidative Gene und Enzyme, die wiederum die schädlichen Auswirkungen der sehr reaktionsfreudigen Moleküle hemmen können. Laut der Studie könnte diese Fähigkeit eine wichtige Rolle bei der Umkehr vieler negativer Auswirkungen der freien Radikale auf das Immunsystem spielen und dieses stärken. In diesem Sinne kann angenommen werden, dass Sulforaphan ein starkes Immunsystem unterstützt. (Artikel: Study finds that broccoli may help boost the aging immune system)

Alterungsprozesse

Der Leiter der o.g. Studie, Dr. Andre Nel, sagte zudem: „Der Einblick in diese Prozesse verweist auf Möglichkeiten, wie wir in der Lage sein könnten, die Auswirkungen des Alterns zu lindern.“ Also auch der Einsatz von Sulforaphan gegen Alterung könnte möglich sein. (Artikel: Study finds that broccoli may help boost the aging immune system)

Wirkung gegen Haarsausfall und für Haarwachstum

Als Androgene Alopezie wird die häufigste Form von Haarausfall bezeichnet, die gekennzeichnet ist durch eine genetisch bedingte, fortschreitende Abnahme der Haardichte. Dieser Haarsausfall kann sowohl bei Männern als auch bei Frauen einsetzen und nimmt bei chronischem Verlauf mit steigendem Lebensalter zu. Dahinter steckt eine Empfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber dem Steroidhormon Dihydrotestosteron (DHT). Die Haarfollikel werden durch DHT geschädigt und geschwächt, die Wachstumsphase verkürzt. Der Wirk-Ansatz vieler gegen erblich bedingten Haarausfall eingesetzten Medikamente zielt daher auf eine Minderung der Auswirkungen von DHT ab.

In Studien mit Mäusen wurde festgestellt, dass eine Behandlung mit Sulforaphan die Menge an 3α-Hydroxysteroid dehydrogenase in der Leber erhöht, einem Enzym mit abbauender Wirkung auf DHT, wodurch DHT im Blut schneller abgebaut wird und damit die Unterdrückung des Haarwachstums durch DHT blockiert. In dem Versuch wurden sechs Wochen lang 10mg/kg Körpergewicht) Sulforaphan verabreicht und laufend die Haarregeneration sowie die Plasmaspiegel von Testosteron und DHT sowie verschiedener Hormone untersucht. Folglich wird eine positive Wirkung auf die Androgene Alopezie angenommen (Quelle: Sulforaphane promotes murine hair growth by accelerating the degradation of dihydrotestosterone).

Antioxidative Wirkung von Sulforaphane

Sulforaphan wirkt zwar nicht direkt antioxidativ. Dennoch gibt es zahlreiche Hinweise dafür, dass es die antioxidative zelluläre Aktivität indirekt erhöht. Man könnte sogar sagen, dass Sulforaphan gegen freie Radikale strategisch wesentlich klüger vorgeht als beispielsweise die Vitamine C und E. Denn diese opfern sich im Kampf gegen die freien Radikale quasi selbst, während Sulforaphan im Hintergrund agiert. Es aktiviert nämlich körpereigene Enzyme in der Leber, welche dann die freien Radikale neutralisieren und dadurch weitere Schäden verhindern. Die indirekte Wirkung von Sulforaphan führt dazu, dass es dem Körper weiterhin einige Tage lang zur Verfügung steht. Freie Radikale sind sehr reaktionsfreudige Sauerstoffmoleküle. Sie können, im Übermaß vorhanden, zahlreiche Beschwerden und Krankheiten verursachen – begonnen bei Müdigkeit und nachlassender Leistungsfähigkeit über Depressionen, Schlaf- und Verdauungsstörungen und Immunschwäche bis hin zu chronischen Rücken- oder Kopfschmerzen und lebensbedrohlichen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. (Artikel: Glucosinolate der Kreuzblütlerfamilie in Prävention und Therapie maligner Tumore (pdf); Studie: Cancer-preventive isothiocyanates: measurement of human exposure and mechanism of action)

Sulforaphan bei Heliobacter pylori

Diese Bakterienart siedelt sich auf der Magenschleimhaut an und kann zu verschiedensten Magenbeschwerden führen sowie das Magenkrebsrisiko erhöhen. Wissenschaftler der John Hopkins University in Baltimore untersuchten die Auswirkungen von Sulforaphan auf Heliobacter. Die Probanden aßen acht Wochen täglich 70 Gramm frische Brokkolisprossen. Dabei senkte sich die Keimlast deutlich. Die Forscher hoffen, dass damit auch eine Möglichkeit gefunden wurde, um künftig Magenkrebs vorzubeugen. Bei der Untersuchung an Mäusen fanden sie zudem heraus, dass Sulforaphan die Aktivität von zwei Enzymen vervierfacht, welche die Magenschleimhaut vor oxidativen Schäden und Entzündungen schützt.
(Studie: Sulforaphane inhibits extracellular, intracellular, and antibiotic-resistant strains of Helicobacter pylori and prevents benzo[a]pyrene-induced stomach tumors) Auch weitere Studien haben gezeigt, dass Sulforaphan keimtötend gegen Heliobacter pylori wirkt – und das sogar gegen Stämme, die bereits gegen verschiedenste Antibiotika Resistenzen entwickelt haben. (Quelle: wikipedia.de, weitere Studien: Analysis and anti-Helicobacter activity of sulforaphane and related compounds present in broccoli (Brassica oleracea L.) sprouts, Efficacy of sulforaphane in eradicating Helicobacter pylori in human gastric xenografts implanted in nude mice)

Krebs

Es gibt mittlerweile verschiedene Studien, die die positiven Effekte von Sulforaphan im Zusammenhang mit Krebs erforscht haben. Die Antikrebs-Wirkung von Sulforaphan zeigte sich im Zusammenhang mit einem verstärkten Konsum von Kreuzblütlern und einem gleichzeitig geringeren Risiko, an verschiedene Krebsarten zu erkranken, wie beispielsweise Lungenkrebs, Brustkrebs, Prostatakrebs oder Darmkrebs. (Artikel: Glucosinolate der Kreuzblütlerfamilie in Prävention und Therapie maligner Tumore (pdf)) Dabei greift – allgemein gesagt – Sulforaphan in den Teilungsprozess der Zelle ein und zerstört dabei bestimmte Stoffe. Dadurch wird die Teilung des Zellkerns verhindert und die Krebszelle ist dem Untergang geweiht. Sulforaphan ist zudem in der Lage, die Krebsstammzellen so zu verändern, dass sie (wieder) auf die Chemotherapie reagieren (Quelle: wikipedia.de)

Einige Beispiele:

  • Beim Pankreaskarzinom bilden sich besonders viele der aggressiven Tumorstammzellen. Diese schützen sich sogar gegen Krebsmedikamente, die bei anderen Tumoren wirksam sind. Dazu verwenden sie einen speziellen Mechanismus, den Sulforaphan wiederum inaktivieren kann und damit die entsprechenden Krebszellen für eine Therapie empfänglicher macht. Zudem zeigte eine kanadische Studie mit über 1300 Patienten mit Pankreaskarzinom, dass der Verzehr von viel Brokkoli und Blumenkohl vor Metastasen des Tumors schützen kann. (Artikel: Sulforaphan in Brokkoli macht resistente Tumorstammzellen in Pankreastumoren verwundbar)
  • Wissenschaftler der Rutgers Universität in New Jersey erklärten nach der Durchführung einer Studie, dass Sulforaphan den Ausbruch von Dickdarmkrebs bei genetischer Vorbelastung verhindern könne. Es sei in der Lage, die notwendigen körpereigenen Schutzmechanismen zu aktivieren. (Artikel englisch: Colorectal Cancer)
  • Auch bei Brustkrebs wurde die Wirkung von Sulforaphan untersucht. Dabei fanden die Forscher der Universität Michigan heraus, dass Sulforaphan das Wachstum von Brustkrebs-Stammzellen hemmt. (Studie: Sulforaphane, a dietary component of broccoli/broccoli sprouts, inhibits breast cancer stem cells) Die Wissenschaftler der Universität Gdansk kamen zu sehr ähnlichen Ergebnissen, nämlich das Sulforaphan die Lebensfähigkeit von Brustkrebszellen hemmt. (Studie: Sulforaphane inhibits growth of phenotypically different breast cancer cells)
  • Eine Studie aus dem Jahr 2012 in Zusammenarbeit verschiedener Universitäten zeigte, dass Sulforaphan auch die Zerstörung von Leukämie-Krebszellen bewirken kann. (Studie: Sulforaphane Induces Cell Cycle Arrest and Apoptosis in Acute Lymphoblastic Leukemia Cells)
  • An der Uni Heidelberg wurde eine Studie mit Sulforaphan im Zusammenhang mit Bauchspeicheldrüsenkrebs und dem Medikament Sorafenib (Bayer AG) durchgeführt. Im Vorfeld hatte sich gezeigt, dass Bauchspeicheldrüsenkrebs sehr therapieresistent ist und die Stammzellen nur schwer zu bekämpfen sind. Zwar zeigten sich – neben starken, unangenehmen Nebenwirkungen – mit Sorafenib auch positive Effekte gegen den Krebs. Doch hielten diese leider nur kurz an. Schnell bildeten sich neue Krebsstammzellen und reagierten von da an nicht mehr auf die Sorafenib-Behandlung. Wird das Medikament aber mit Brokkoli kombiniert, bleibt es wirksam und zwar ohne zusätzliche Nebenwirkungen. Es zeigte sich sogar, dass Sulforaphan gesunde Körperzellen vor den Nebenwirkungen von Sorafenib schützen kann. (Studie: Synergistic activity of sorafenib and sulforaphane abolishes pancreatic cancer stem cell characteristics)

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